Immer mehr Paare wenden sich an einen Coach, um ihre Beziehung zu retten. Bei der professionellen Paartherapie geht es nicht um die Schuldfrage, sondern um Perspektiven für eine gemeinsame Zukunft. 

Schon lange nervt es ihn, dass sie immer vergisst, die Türen zuzumachen. Er räumt mit Wut im Bauch ihre Sachen auf, die sie überall liegenlässt. Streit um Nichtigkeiten, Missverständnisse und Rückzug machen das gemeinsame Leben unerträglich. Dass es um viel mehr als um die kleinen Macken des Partners geht, wird ausgeblendet. Das Paar steckt mitten in einer tiefen Beziehungskrise.

Eine Lösungsmöglichkeit lautet Scheidung. Jedes Jahr entscheiden sich fast 200.000 Paare in Deutschland für diesen Schritt – Tendenz steigend. Aber auch immer mehr Paare nehmen die professionelle Hilfe eines Coachs in Anspruch, um ihre Beziehung zu retten. Aber was genau kann ein Berater leisten und was nicht? „Paar-Coaching kann die wertschätzende Kommunikation zwischen den Partnern wiederherstellen. Es erstaunt und freut mich immer wieder, wie schnell Paare durch die Anleitung wieder zueinanderfinden“, berichtet Felix Arnet, Paartherapeut aus Wiesbaden. Eine Garantie dafür gibt der Fachmann nicht, denn es kann sich während des Coachings ebenso herausstellen, dass die Beziehung zu Ende geht. Dann unterstützt Arnet das Paar dabei, eine konstruktive Bilanz zu ziehen und sich fair zu trennen.

Es geht nicht um Schuld

Doch um herauszufinden, wo man als Paar steht, ist es zunächst wichtig, über seine Probleme und Ängste offen zu sprechen. Auch hierbei unterstützt der Coach, denn genau das zählt zu den größten Schwierigkeiten, die Paare während der Beratung haben, wie Arnet bestätigt:

„Miteinander über die eigenen Bedürfnisse und die des Partners zu reden, ohne sich in der Schuldfrage zu verstricken, ist anfangs für viele Paare eine große Herausforderung.“ Denn um Schuld geht es nicht, sondern darum, gemeinsam neue Perspektiven und Strategien zu erarbeiten, die das Paar auch nach der Beratung immer wieder anwenden kann.

Sowohl junge als auch alte Paare nehmen Unterstützung in Anspruch, mit unterschiedlichen Fragestellungen. So wenden sich Paare um die 60 häufig an einen Coach, weil sie sich nicht sicher sind, ob sie die nächsten zwanzig Jahre gemeinsam verbringen wollen. „Oft kommen auch junge Paare, die nach vier bis sechs Jahren des Zusammenlebens feststellen, dass sich ihre gemeinsamen Werte verschoben haben oder diese nie vorhanden waren“, erläutert Arnet.

Welche Werte hat der Partner? Dies ist eine zentrale Frage des Wiesbadener Coachs, über die sich die wenigsten seiner Klienten Gedanken gemacht haben. Deswegen gehört es bei seinem Coaching dazu, dass die Partner ihre Werte für sich aufschreiben. „Auf der Schnittmenge baue ich mein Coaching auf“, sagt der 41-Jährige und führt weiter aus: „Paare, die sich nie mit ihren gemeinsamen Werten auseinandergesetzt haben, kleben oft viel zu stark aneinander, ohne sich wirklich nah zu sein. Sie lassen ihrem Partner nicht die notwendigen Freiräume und ersticken ihre Leidenschaft in zu großer Nähe.“

Sobald ein Paar sein Wertmodell harmonisiert hat, wieder wertschätzend miteinander redet und Lust auf die eigene Beziehung hat, kann Arnet seine Arbeit als Coach beenden. Eine Chance, dass die Beziehung auch nach der Beratung dauerhaft besteht, sieht er darin, wenn das Paar Konflikte nachhaltig löst. Dann ist die offen gelassene Zahnpastatube oder Tür keinen Streit mehr wert.

Bei der Auswahl von Therapueten kommt es auch aufs Bauchgefühl an

Wer im Internet bei Google den Suchbegriff „Paarthearpie” eingibt, wird mit Abermillionen Einträgen erschlagen. Wie aber findet man in diesem unübersichtlichen Angebot den für sich richtigen Beratungsansatz und damit den geeigneten Therapeuten? Noch vor zehn Jahren war es schwierig, einen professionellen „Paarberater“ zu finden. Das hat sich mittlerweile geändert und es gibt einen enorm gewachsenen Anbietermarkt. Paartherapie hat sich etabliert und es haftet kein negativer Beigeschmack mehr an, wenn sich Paare die Unterstützung eines Profis holen, wenn sie in einer Krise stecken oder sich in einer Konfliktsituationen befinden. Es gehört zu den Aufgaben des Therapeuten, seine Klienten bei der Realisierung eines Ziels oder der Lösung eines Problems zu begleiten.
Da der Begriff „Therapeut” nicht geschützt ist und sich jeder so nennen darf, tummeln sich auf dem Markt auch fragwürdige Anbieter. Damit die Suche nach einem geeigneten Berater nicht zu einer unerquicklichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird, gibt es unterschiedliche Auswahlkriterien. „Viel läuft über Empfehlungen im Kollegen- und Bekanntenkreis”, berichtet Felix Arnet, Institutsleiter vom Lililen Institut in Wiesbaden. Wem das zu vage sei, rät er, sich im Vorfeld darüber klar zu werden, welche Kriterien eine Therapie/Beratung und der Therapeut erfüllen solle, beispielsweise welche Ausbildung und Fachkenntnisse, Qualitätsnachweise und Referenzen er haben solle.
Nicht nur in Krisen
Zwar kein Allheilmittel, aber eine wertvolle Unterstützung kann Therapie oder Beratung sein, wenn man mit seinen eigenen Ansätzen und Lösungsversuchen nicht mehr weiterkommt. Aber auch oder gerade wenn man nicht in einer Krisensituation steckt, bietet Paar-Coaching zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten, beispielsweise der wertschätzende Umgang miteinander oder gewaltfreie Kommunikation. „Vorratscoaching” nennt Arnet das, zu dem nicht viele Klienten bereit seien, „erst wenn die Not am größten ist, wollen Menschen etwas verändern”, bedauert der Berater. Gerade dann ist das Vertrauen, eben die richtige Chemie, zwischen Therapeut und Klient besonders wichtig.
Tipps zur Suche von Experten
• Empfehlungen aus dem Kollegen- und Bekanntenkreis erleichtern oftmals die Entscheidung.
• Legen Sie Kriterien fest, die ein Therapeut erfüllen sollte, denn jeder Gedanke, den Sie sich über Ihren möglichen Coach machen, hilft bei der Suche.
• Eine gute Gelegenheit, einen ersten Eindruck von Beratern zu bekommen, bietet sich auf seiner Internetseite oder rufen Sie einfach an. 
• Ist das Praxisbüro kaum telefonisch erreichbar oder bietet der Therapeut ein Bauchladen von Beratungen an, so sollten Sie genau prüfen, ob es für Sie Sinn macht.
• Wichtig ist natürlich auch die Ausbildung und Erfahrung, wird die Beratung in einer eigen Praxis ausgeführt oder evtl. im „Rheinhaus“ bitte prüfen Sie selbst und vereinbaren Sie einfach einen Kennenlerntermin. 

Wie aus Erwartungen, Enttäuschungen und endlosen Diskussionen Dank des Paartherapeuten wieder eine harmonische Beziehung werden kann.
Man glaubt, sich zu kennen. Oft ist es sogar so, dass jede Macke, jede nette Eigenart, die der andere hat, ihn oder sie zu einem besonderen
Menschen macht. Zu dem einen Menschen, mit dem man sein Leben teilen möchte. Dass ein gemeinsames Leben in den meisten Fällen auch mit
gegenseitigen Erwartungen verbunden ist, sehen die Partner oft nicht. Nicht gleich. Es ist vielmehr ein schleichender Prozess, der oft mit
einem „Schade, dass…..“ oder dem Kommentar „Ich hatte gehofft, dass du…“ beginnt. Man tut Dinge oft insgeheim damit verbunden, der Partner würde
an selber Stelle dasselbe tun! Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn nicht genau die Reaktion kommt, die man sich doch so sehr erhoffte.
Von der man ausging, weil man es eben selbst auch so macht! Nahezu in jedem Bereich des Miteinanders gibt es diese Erwartungshaltung, die in
leider viel zu vielen Einzelfällen zum Bruch der Beziehung führt. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Einer der Partner hat ein oder mehrere
Kinder. Wie oft läuft ein Dialog in etwa so ab?
„Du, deine Tochter hat wieder ihre Schuhe im Flur stehen lassen und außerdem räumt sie nie das benutze Geschirr in die Spülmaschine“.
„Was? Dafür räume ich deinem Sohn ständig hinterher; wie der immer das Bad verlässt,… Und ich koche, mache die Wäsche und, und, und…  Dann kommst du mit so etwas?“
Der Partner fühlt sich nicht verstanden, es kommt zum Streit über Erwartungen. Das Gegenüber ist ebenso verbittert, vermisst es doch das Verständnis des Partners. Hier können Gespräche mit dem Paarberater sehr hilfreich sein. Geht es doch darum, das Gespür für den anderen (wieder) zu bekommen; seine Sicht der Dinge sehen zu lernen und vielleicht bald zu merken, dass es hier nicht darum geht, dem anderen weh zu tun, sondern -wie in diesem Fall- Kinder und Eltern in den gemeinsamen Erwartungen zu synchronisieren. Hier helfen Gespräche und systemische Methoden des Paarcoachs.
Oder wie ist es, wenn eine Partnerschaft sexuell bisher immer für beide erfüllend war? Wenn die eigenen Wünsche befriedigt, der Spaßfaktor hoch und auch der Partner rundum glücklich war? Wenn dann aber, durch die verschiedensten Faktoren wie Schwangerschaft, Gewichtszunahme, Stress bei der Arbeit oder Probleme im privaten Bereich die Lust plötzlich weniger wird? Wenn ein Partner sich selbst in Frage stellt, seinen Körper kritisch betrachtet oder gar mit Eifersucht kämpft, ob es jemand anderen gibt, nur weil es nicht so „läuft“ wie bisher?
Oft drehen sich beide Partner in eine Spirale der Diskussion und des Missverstehens ein, aus der sie ohne Hilfe von außen nicht mehr heraus kommen können. Weil jeder seine Sicht hat und eigene Erwartungen durchsetzen will. Die einzig richtige,… scheinbar! Weil man tief innen drin „erwartet“, dass es so läuft wie bisher, denn das war doch genau so, wie man selbst es haben wollte. Aber Dinge ändern sich im Leben. Und jeder Mensch sieht sich immer wieder mit Veränderungen konfrontiert. Veränderungen, die auch einen selbst betreffen! Die aber meist gar nicht wahrgenommen werden. Wer mag schon in den Spiegel schauen und Kritik an sich selbst üben? So komisch es sich anhört, auch bei einem noch so intimen Problem ist es oftmals für die Beteiligten einfacher, einem völlig Außenstehenden seine Sichtweise zu erklären, als dem eigenen Partner! Weil man sich scheut, seine Wünsche, seine Erwartungen zu äußern. Vielleicht auch, weil man gesteckte Erwartungen gar nicht erfüllen kann…
Ganz gleich, wie gut die Partner harmonieren, wie viele Gemeinsamkeiten man hat – beide bleiben jeder für sich eigenständige Menschen. Mit eigenem Charakter und eigenen Wesenszügen. Das Faszinierende an uns Menschen ist doch, dass es niemanden „doppelt“ gibt. Und wenn es noch so kleine Unterschiede sind; genau diese machen jeden Einzelnen aus! Oft wird das im Alltag vergessen und unterschätzt; ist es viel einfacher, etwas für den anderen zu tun und nicht daran zu denken, dass der Partner in derselben Situation vielleicht völlig anders handeln würde! Man schließt von sich auf den anderen – ein Fehler, der in ganz vielen Beziehungen häufig ignoriert wird. Man kann es sich nicht vorstellen, weil es doch „…ansonsten super klappt mit uns!“
Es
ist einfacher, schwierige Situationen und Unausgesprochenes zu übergehen. Doch was, wenn diese Momente mehr werden? Was, wenn man immer
öfter das Gefühl hat, der andere ist mit seinem Handeln meilenweit von einem selbst entfernt? Dann ist es oft schon unheimlich schwierig, den
Anfang dieser Problematik noch zu greifen.
Doch soweit muss es nicht kommen! Auch ohne „akuten“ Grund, ohne Streit und blankliegende Nerven kann ein Paarberatungsgespräch gut tun. Kann helfen, die eigene Sicht wieder zu weiten. Auch andere Denkweisen zuzulassen, ohne gleich das Gefühl zu haben, man würde nicht verstanden.
Paartherapeut
Felix Arnet (Lilien Institut für Paartherapie in Wiesbaden ) schafft in entspannter Atmosphäre und in einem geschützten Rahmen eine Plattform
für beide Partner, damit das „Wir“ auch ein echtes Wir wird. Nicht ein „du bist wie ich“. Die Chance, sich besser verstehen zu lernen, sich mit
Toleranz für den anderen auch für anderes zu öffnen. Zu spüren, dass ein klärendes Wort hilft, vieles leichter werden lässt. Das „Erwarten“
los zu lassen, um dafür ein „verständnisvolles Miteinander“ (er)leben zu können.

Winterzeit ist Familienzeit: Wenn in der kalten Jahreszeit wenig passiert und sportliche Aktivitäten wegfallen, dann rücken Partner näher zusammen – und nicht selten sich gegenseitig auf den Pelz. Die Zeit der Besinnung kann dann oftmals wörtlich genommen werden, denn viele Paare besinnen sich plötzlich auf ungelöste Konflikte: als Folge brechen sich Streitigkeiten, alte Verletzungen und Schuldzuweisungen Bahn. Dazu kommt, dass viele in der dunklen Jahreszeit Vergangenes Revue passieren lassen, und unter unliebsame Gewohnheiten einen Schlussstrich ziehen. Anwälte berichten in den ersten Monaten eines neuen Jahres von einer deutlich erhöhten Anzahl an Anfragen von Eheleuten, die eine Trennung wollen. Paare die sich jedoch nicht gleich scheiden lassen und ihrer Beziehung noch eine Chance geben wollen, finden, als letzte Anlaufstelle vor dem Scheidungsanwalt, in dieser Zeit oft zur Eheberatung oder zur Paartherapie.

Wenn sich ein Paar in einer Spirale aus gegenseitigen Vorwürfen und Schuldzuweisungen befindet, ist eine Beziehung keine Bereicherung mehr, sondern kann massiv die Lebensqualität der Partner beeinträchtigen. In diesem „Stadium“ ist eine Paartherapie durchaus ratsam. Zwar wäre in vielen Fällen eine begleitende Beratung zu einem früheren Zeitpunkt schon durchaus sinnvoll, viele Pärchen scheuen sich jedoch, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Leider haben vor allem Männer oft Probleme damit sich nicht eingestehen zu können, dass sie nicht alleine damit fertig werden können. Die Paartherapie kann jedoch eine hilfreiche Anlaufstelle sein, wenn Partner keinen Weg mehr finden können, fair und offen über ihre Ansichten und Erwartungen zu sprechen“, so Felix Maria Arnet, systemischer Paartherapeut vom Lilien Institut in Wiesbaden. Vor allem die sachliche Neutralität eines Paartherapeuten ist ein konstruktiver Ansatz, weil dadurch der gegenseitige Druck, den Partner aufeinander ausüben, geerdet werden kann. Gespräche in Begleitung eines professionellen Beraters sind dann ein guter Nährboden, um die Beziehungsdynamik analytisch zu betrachten und neue Anstöße bereitzustellen.

Der Mensch in seinem Umfeld
Die Systemische Therapie betrachtet den Menschen immer in seinem Umfeld, seiner Familie, seinem Arbeitsplatz, seinem Freundeskreis. Denn seine Lebensprobleme kommen ja nicht von ungefähr, meistens sind sie sogar einfach nur Kommunikationsprobleme mit der Umgebung. Systemische Therapie versteht Probleme nicht als Krankheiten oder als Defizite, sondern als missglückte Versuche, vorangegangenen Problemen zu entgehen. Deshalb legen wir hier auch weniger Wert auf ein Verstehen des Problems, als vielmehr auf die Suche nach einer Lösung.

Der Einzelne verändert das System
Heute gibt es sehr unterschiedliche Formen, wie man das soziale Umfeld in einen therapeutischen Prozess oder Coaching integriert. Längst ist es nicht mehr notwendig alle Mitglieder eines Systems an einen „Tisch zu setzen“, zumal dies oftmals organisatorisch gar nicht möglich ist. Ich arbeite mit der Person, die ein Problem lösen möchte und integriere dabei mit den verschiedenen Techniken aus der systemischen Therapie, der Hypnotherapie oder der Lösungsfokussierten Therapie das dazugehörige System. So können langfristige Veränderungen erzielt werden. Selbstverständlich ist es bei einem Problem in der Partnerschaft auch möglich mit beiden Personen zu arbeiten, aber es ist keinesfalls zwingend notwendig. Wenn bei Kindern Probleme auftauchen, arbeite ich erst einmal mit den Eltern oder einem Elternteil. In der Regel zeigt sich schon nach den ersten Sitzungen eine deutliche Verbesserung der Symptome oder des Verhaltens.

Der Mensch als System
Ein weiterer Teil der systemischen Therapie ist die Betrachtung des Menschen als System. Auch wenn wir uns in der Regel als ein Ganzes, als eine Einheit erleben, erkennen wir bei näherer Betrachtung eine Menge Teile im „System Mensch“. Es gibt die Verbindung zwischen Körper und Psyche, die manchmal aus dem Gleichgewicht geraten ist und Symptome auf der einen oder anderen Seite auftauchen können.

Betrachten wir die Psyche, gibt es sehr unterschiedliche Persönlichkeitsanteile in uns. Friedemann Schulz von Thun hat in seinen Büchern dargestellt, wie schwierig Kommunikation mit anderen sein kann, wenn diese Anteile nicht gut miteinander harmonieren. Auch verdrängte Anteile wie z.B. „inneres Kind“ melden sich oft als Symptom, Blockade oder unerwünschtes Verhalten. In der Beratung oder im Coaching verbinden wir diese Anteile auf gute Weise wieder mit dem Ganzen.
Betrachten wir den Körper, gibt es eine Vielzahl an Körperteilen und Organen die miteinander im Verhältnis stehen und ein System bilden. Der Begriff der ganzheitlichen Medizin weist darauf hin, dass es durchaus sinnvoll ist, bei der Behandlung von Symptomen das gesamte System und damit das Zusammenspiel der einzelnen Teile zu berücksichtigen.

Weitere Informationen erhalten Sie hier: Systemische Gesellschaft e.V.

Die Wozu – Frage
Es stimmt nicht, dass manche Leute einfach mehr Glück haben als andere! Die Glücklicheren gehen nur anders mit den Ereignissen um. Sie sagen zum Beispiel nicht „Warum?“ sondern „Wozu?“ Die Menschen, die leichter leben haben genau so viel Pech wie andere und erleiden die gleiche Anzahl Schicksalsschläge. Aber sie hadern nicht lange: Warum passiert mir das? Warum muss das sein? Sondern sie fragen: Wozu ist das gut? Wie kann ich das Problem lösen? Was kann ich tun? Welche Möglich­keiten gibt es? Mit anderen Worten: Sie denken nicht problemorientiert sondern lösungsorientiert.“ 

Der Arbeitskick
Glück entdeckten die Forscher nicht bei Faulenzern, sondern bei engagierten Arbeitern. Konzentrierte Aktivität mobilisiert das körpereigene Glückshormon Serotonin. Vorausgesetzt, die Aktivität entspricht der eigenen Begabung. Leider unterschätzen die meisten Menschen ihre eigenen Begabungen. Finden kann man seine Talente nur durch Experimentieren, durch das Ausprobieren neuer Anforderungen. Also durch Arbeit. Nichts ist so trügerisch wie die Schlaraffenland-Lüge. Unterforderung macht unglücklich!“

Die Fitness-Komponente
Glückliche Stubenhocker sind die Ausnahme. Fitness ist der Schlüssel zum Glück: „Niedergeschlagenheit, Leeregefühl und Konzentrationsstörungen werden durch Bewegung beiseite gefegt. Erstens aktivieren Ausdauersportarten und körpereigene Endorphine werden ausgeschüttet. Zweitens sorgt die erhöhte Sauerstoffzufuhr für eine bessere Ausnutzung der Gehirnkapazität. Drittens werden beim Schwitzen Depression fördernde Substanzen ausgeschieden. Und schließlich stärkt das Fitnessgefühl das Selbstbewusstsein.“

Das Klärungs-Programm
Klärung (engl.: Clearing) bedeutet „Klarheit schaffen“. Forscher fanden unter glücklichen Leuten so gut wie keine Chaoten. Ordnung – zumindest im Geist – gehört zum Lebensgefühl der Leichtigkeit! Die Glücklichen fällen Entscheidungen schneller und eindeutiger, riskieren lieber falsche Entscheidungen, statt zu zögern und aufzuschieben. Sie erledigen sofort, was getan werden muss, statt es anzuhäufen. Wer aufräumt und Liegengebliebenes anpackt, fühlt sich nicht als Opfer sondern als Gestalter seines Schicksals. Und das gehört wesentlich zum Glück dazu.

Der Medien-Verzicht
Fröhliche Leute verbringen nicht einmal ein Fünftel so viel Zeit vor dem Fernseher wie der Durchschnittsbürger. Und sie studieren seltener die Tages­zeitung. Die psychologische Erklärung: Fernsehen und Tagespresse erreichen ihre Quoten mit Katastrophen, Morden und schlechten Nachrichten. Wer darauf verzichtet, hat ein „helleres“ Welt­bild. Die Begründung des Physiologen Prof. Leo Kaplan: „Fernsehen leert sukzessive den körpereigenen Speicher des Wohlfühl-Hormons Endorphin. Wer drei Stunden ferngesehen hat, kann sich unmöglich leicht und fröhlich fühlen – egal, was er gesehen hat.“

Der Freundschafts-Beitrag
Viele Leute zu kennen bringt gar nichts, denn es kommt auf das Gefühl der Verbundenheit an. Nur mit einer begrenzten Zahl von Menschen ist es möglich, Vertrauen, das Gefühl des Aufgehobenseins und der Geborgenheit zu pflegen. Alle glücklichen Menschen teilen das Talent zur Freundschaft. Das bedeutet Regelmäßigkeit, Pflege, Initiative, aber auch Auswahl. Umgeben Sie sich mit ermutigenden, unterstützenden Leuten, und reduzieren Sie den Kontakt zu den mies machenden Energieräubern in Ihrer Umgebung!

Der Motivations-Effekt
Fröhliche Leute können sich selbst motivieren. Gewöhnlich lassen sich Menschen nur von Freude und Spaß locken. Die glücklicheren Leute nehmen aber auch Frust, Angst und Ärger als Motivationsschub. Ärger ist für sie eine Chance zu lernen, da sie wissen, hinter jeder Schwäche steckt eine Stärke, und wir wachsen an Widerständen. Das bestätigt sogar die Medizin, denn wer Probleme meidet, schrumpft! Vierzehn Tage reiner Relaxurlaub senken die geistige Wach­heit und damit die Glücksfähigkeit um 20 Prozent!

Das Element Dankbarkeit
Glückliche sind dankbarer. Einfach, weil sie glücklich sind? Nein, sie sind glücklich, weil sie dankbarer sind. Menschen, die mit dem Schicksal hadern, richten ihre Aufmerksamkeit auf das, was sie unzufrieden macht. Die Glücklichen hingegen haben einen geübten Blick für erfreuliche Dinge“. Tun wir es ihnen also nach! „Wer täglich auf­zählt, wofür er dankbar sein kann, schärft seine Wahrnehmung für die angenehmen Seiten des Lebens, denkt, fühlt und lebt fröhlicher.“

Der Risiko-Faktor
Überraschenderweise leben Leute leichter, die es sich eben nicht bequem machen. Im Gegenteil: Sie verlassen sogar immer wieder ihre „Komfortzone“. So wird der Bereich im Leben genannt, der gewohnt und automatisiert ist, der sicher scheint, der einen immer wieder bestätigt. Doch Wachstum zum Glück findet außerhalb der Komfortzone statt. Wer nie scheitert, entwickelt sich nicht und kann auch nicht glücklich werden, denn er fürchtet sich vor Unvorhersehbarem. Ihm fehlt die Erfahrung der eigenen Stärke und Überwindungskraft. Van Gogh erlebte viele Tiefs in seinem Leben, aber wäre er nicht als Pfarrer gescheitert, hätte die Welt nie von seiner Begabung als Künstler erfahren.“ 

Der Akku-Trick
„Die meisten Leute sacken ab, wenn sie erschöpft und frustriert sind. Die Glücklichen wissen, wie sie ihren Energiespeicher schnell wieder auffüllen“. Sie nutzen etwas, das die Forscher Akku-Liste nennen. Eine individuelle Zusammenstellung von Dingen, die Energie bringen. Dazu kann etwa gehören: Mozart hören, Badewanne, etwas Schönes kaufen, massieren lassen, Meditieren, jemanden beschenken, Wasser trinken etc. Legen Sie sich also eine Akku-Liste an. Und zwar schriftlich, damit Sie sie zur Hand nehmen können, wenn Sie gedanklich im Trüben fischen.“

Der Zeitlosigkeits-Effekt
Glücklichen Leuten rinnt die Zeit nicht davon. Sie leben mehr im Augenblick und haben die Fähigkeit zur Konzentration. „Wer voll in dem aufgeht, was er gerade tut, handelt in einer Sphäre der Zeitlosigkeit.“ Zweitens haben sie eine feinere Körperwahrnehmung. Experten schlagen daher vor, „alle 90 Minuten innezuhalten und dem Atem nachzuspüren, die Haltung zu überprüfen und in den Körper hineinzuhorchen, um mit sich selbst in Kontakt zu treten. Wer immer wieder aus den Gedanken zurück in den Körper gelangt, ist präsent im Augenblick.“ 

Das Ziel-Programm
Glückliche Menschen haben eine Vision, etwas, für das sie leben und das sie morgens aus dem Bett springen lässt. Sie setzen sich selbst immer wieder (langfristige) Ziele, die sich in kleinen Schritten erreichen lassen. Wir überschätzen meist, was wir in kurzer Frist erreichen können und unterschätzen, was auf lange Sicht möglich ist. Die Ziele müssen konkret formuliert sein, und zwar schriftlich, etwa in einem Tagebuch. Und sie müssen überprüfbar sein. Also nicht: Ich werde mehr für meine Gesundheit tun. Sondern: Ab 1. Februar jogge ich dreimal die Woche. 

Der religiöse Faktor
Es lässt sich nicht leugnen: Religiöse Leute sind glücklicher und obendrein gesünder, wie Statistiker nachgewiesen haben. Vermutete Gründe sind, dass der Glaube dem Leben Sinn und uns ein Gefühl des Behütet seins und der Geborgenheit verleiht – jedenfalls dann, wenn die Religion keinen Zwang ausübt und keine Schuldgefühle hervorruft. Unabhängig von der Religion gilt grundsätzlich: Glücklicher und gesünder ist, wer einen Sinn im Leben sieht, sich an verbindliche Wertvorstellungen hält und Vertrauen hat.“

(Quelle: FÜR SIE 02.2000)